Posterous theme by Cory Watilo

Begegnungen

Pünktlich zum Siebenschläfer hat sich der Sommer zurückgemeldet. Gemäß der deutschen Meckermentalität beschwere ich mich jetzt ersteinmal darüber dass es zu warm ist. Aber es ist nicht das Einzige was mich heute bedrückt. Nein, es ist die Tatsache dass mein Versuch dem bösen Geist des Alkohols abzuschwören von allerlei Schwierigkeiten unterwandert wird. Ja, ich gebe es zu. Ich "löse" die Probleme allzuoft auf dem einfachsten Weg: Ich ignoriere sie und verneble meine Wahrnehmung um mich vor der Realität zu verstecken. Ich mache daraus kein Geheimnis und ich versuche den Stimmen die mir zurufen, ich solle etwas dagegen zu tun entgegenzukommen indem ich genau das tun möchte. (Anm. des Autors: diese Stimmen sind real)

Heute bekam ich einen Anruf, in welchem mir mitgeteilt wurde dass mein Vehikel in der Werkstatt in die ich es zuvor habe bringen lassen, dieses spezifische Problem nicht beheben könne weil der Hersteller (wie die meisten anderen auch) nicht mit offenen Karten spielen will. Somit mußte ich die gelben Engel bereits zum dritten mal mit dem selben Problem behelligen um das Auto von der zu Fuß zu erreichenden Werkstatt in eine Andere transportieren lassen, die bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen liegt. Meine Freude hielt sich in Grenzen.

Auf Parkplätzen ist für gewöhnlich nicht viel Schatten und so ließ ich mich einfach auf einer Bordsteinkante nieder um auf das Abschleppfahrzeug zu warten. Dort machte ich die Bekanntschaft mit einem Stiefmütterchen (lat.: Viola arvensis). Es wuchs aus einer kleinen Spalte zwischen Asphalt und der Betonbegrenzung des Trottoirs. Ich wünschte ich hätte einen Schluck Wasser dabei gehabt um ihr das Überleben an diesem ungünstigen Ort ein bißchen erleichtern zu können, wo sie mir doch mit ihrer puren Anwesenheit die Laune verbessert hat.

Nachdem die Einweisung des eisernen Patienten erledigt und die Ungewöhnlichkeit der Symptome ausdiskutiert waren, ging es auf die Rückreise. Clever wie ich bin, habe ich mir natürlich die Busverbindungen rausgesucht und die Zeiten aufgeschrieben. Mit ausreichend Vorlauf machte ich mich dann auf den Weg zur nächstgelegenen Haltestelle. Einmal mehr wurde ich daran erinnert warum ich so ungerne Bus fahre denn die nächstgelegenen Haltestelle war doch nicht ganz so nah wie auf der Karte. Und so kam es dass ich an der Haltestelle ankam und der Bus auf der Gegenüberliegenden Straßenseite sich schon auf der Rückreise befand. Überlandbusse sind leider nicht für ihre 10min Taktung bekannt und so konnte ich mich auf eine Stunde Zeit verbrennen einstellen. Frustriert von diesem nächsten Rückschlag setzte ich mich dann doch wieder in ein Restaurant wo ich mir dann doch ein Glas Pils gönnte. Eine nette Bedienung und die Möglichkeit noch eine Geburtstagskarte auf einer festen Unterlage schreiben zu können, ließ dann mein System wieder ein wenig abkühlen.

Mehr als ein Bier wollte ich dann aber nicht trinken um meinen Vorsatz nicht komplett mit den Füßen zu treten. Auf dem Rückweg zur Haltestelle erblickte ich einen jungen Husky. Noch klein genug um als niedlich zu gelten und schon zu groß für einen verspielten Welpen. Er war an einem Bäumchen im Schatten angeleint und machte einen recht traurigen Eindruck. Für einen Hund, der normalerweise Schlitten über den Polarkreis zieht, ist das auch kein Wunder. Er tat mir sehr leid.

An der Buswendeschleife ließ ich mich auf einer Bank nieder. 20 Minuten blieben mir noch bis der nächste Bus kommen sollte. Glücklicherweise war ich auf Wartezeiten vorbereitet und so packte ich ein Buch aus, dass einige Wochen zuvor in der Notaufnahme des hiesigen Krankhauses auf wundersame Weise den Weg in meine Tasche fand. Und zwar handelt es sich dabei um eine moderne Fabel mit dem Titel "Das Haus der sprechenden Tiere". Nach einer Weile setzte sich eine außergewöhnlich große Hainschwebfliege auf das rote Lesebändchen dass über die Oberkante des Buches geschlagen war. Es schien als ob sie mich mit ihren riesiegen Facettenaugen beobachtete, jedenfalls hatte sie es nicht eilig und bliebt dort sitzen bis beide aktuell aufgeschlagenen Seiten ausgelesen waren. Ein wahrhaft meditativer Moment.

Der eine oder andere mag sich wohl fragen was es mit diesem Eintrag auf sich hat. Ja, wie soll ich sagen. Ich hasse es zu warten. Ein Motiv dessen ich nicht als erster gedenke aber ich hasse es wirklich abgrundtief die Zeit zu einem mehr oder minder gut definierten Ereignis überbrücken zu müssen. Obgleich ich nicht jede Sekunde meines Daseins sinnvoll nutze. Jedenfalls fand ich diese 3 Begegnungen sehr denkwürdig. Seien sie auch noch so unbedeutend.