Dubstep (wub wub wub)

Elektronische Musik ist ja schon immer corpus delicti von Geschmacksdiskussionen gewesen, obwohl sich darüber ja bekanntlich nicht streiten läßt. Schon das Theremin, das Trautonium und später die weiter verbreiteten Synthesizer ließen Skepsis bei den Musiktraditionalisten aufkommen, für die alles was erstmal analoge oder digitale Schaltungen durchlaufen hat ziemliches Teufelszeug darstellte. Diese Ablehnung von Neuerungen in der Musik läßt sich beliebig weit iterieren und wird aktuell mit der Frage, ob Dubstep überhaupt noch Musik ist, diskutiert. Die Fans lieben die Basedrops, dreckige Beats und waberndes wub wub wub, die meisten anderen fühlen sich an das Einwahlgeräusch von 56k Modems erinnert.

Drop the Bass – Clean up the mess1

Ich gestehe, der Grat zwischen lieblos hingerotztem Elektroschrott und richtig fetten Sounds ist im Zeitalter relativ simpel zu bedienender Software manchmal recht schmal aber es gibt durchaus genug Musiker die sich richtig Mühe geben und neue Wege abseits ausgelatschter Pfade zu betreten. Weiterlesen

Franz Kafka

Kurzmitteilung

„Ich glaube, man sollte überhaupt nur noch solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?“

– Franz Kafka

Er hätte sicher noch einiges mehr zu sagen gehabt, wäre er nicht so früh an Tuberkulose gestorben. Aber heute soll nicht seinem Tode, sondern seiner Geburt am 3. Juli 1883 gedacht werden.

Wird einem sein Werk leider viel zu oft in der Schule ob seiner Komplexität vergellt, so lohnt sich doch immer ein zweiter Blick.

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“1

Franz Kafka um 1906

  1. Franz Kafka – Die Verwandlung

Moriarty in concert

Morgen spielen Moriarty in Dresden. Da solltest du hingehen

Wer mich kennt, weiß dass Spontanität bis vor einiger Zeit nicht gerade zu meinen hervorstechendsten Eigenschaften zählte. Nachdem mich die obige Empfehlung erreichte, brauchte es allerdings nur einen Clip bei Youtube um mich davon zu überzeugen dass es sich lohnen könnte. So machte ich mich gestern abend einfach so auf die Socken nach Dresden, ohne zu wissen ob es noch Karten gibt, um an einem Sonntag Abend im Kino „Schauburg“ eine Band zu sehen, von der ich einen Tag zuvor das erste mal etwas gehört habe. Und was soll ich sagen, das war die richtige Entscheidung.

Es muß nicht immer rhythmischer Lärm sein

Wikipedia beschreibt den Stil dieser multikulturellen Formation als Cabaret Folk deren Einflüsse traditionelle irische Musik, Country und Blues sind. Da ich mich in letzter Zeit hauptsächlich mit elektronischen Klängen beschallt habe, war das stilistisch schon ein Sprung ins kalte Wasser. Naja, eigentlich auch nicht, denn Bands wie Katzenjammer oder Voltaire mit ihrem liebevoll handgemachten Folksound, haben mir auch schon vorher sehr gut gefallen. Und geschmacklicher Stillstand steht mir irgendwie nicht.

Moriarty kommen eigentlich so ziemlich von überall her, haben aber in Frankreich zueinander gefunden. Sie tauschen ihre unzähligen Instrumente während der Auftritte genauso munter und unbeschwert wie es die Sängerin Rosemary Standley alias Rosemary Moriarty mit ihrer Identität tut. Dazwischen gibt es immer wieder nett kleine Scherze und Showeinlagen die selbst Elvis neidisch gemacht hätten. Das ganze in der ohnehin schon cabaretesken Atmosphäre des Sergio Leone Saals in der Schauburg – es war phantastsich. Mal gedämpft, fast komplett unplugged, kurz darauf wieder zünftig in die Saiten gehauen. Am meisten fasziniert mich aber die ungewöhnliche Stimme der Sängerin mit ihrem sehr warmen Timbre. Wenn es nicht so viel spaß gemacht hätte den fünf auf der Bühne zuzuschauen, hätte man auch gut und gerne die Augen schließen und sich für 2h treiben lassen können.

Ach Schreck, jetzt habe ich ja beinahe vergessen den Support zu erwähnen. Der wurde gestellt von Emit Bloch, ein kauziger Hillbilly aus Utah, der melancholisch-komischen Blues kredenzte, der für einige Lacher sorgte. Schonmal „This is the new shit“ von Marilyn Manson in einer Countryvariante gehört? Nein? Schade. Das werde ich sicher nie vergessen.

Zu guter Letzt konnte ich auch nicht ohne etwas bleibendes zurück nach Freiberg fahren und so mußte ich mich bei der Auswahl budgetbedingt auf das Debutalbum von Moriarty, das auf den unausprechlichen Namen „Gee Whiz But This Is A Lonesome Town“ hört, und eine niedliche 7″ Single von „Isabelle“, welche vom neuen Album „The Missing Room“ ausgekoppelt ist. Auf diese bekam ich dann auch noch je ein Autogram von Zim & Arthur Moriarty. Danke!

Ich hab auch einen kleinen Mitschnitt vom Depeche Mode Cover „Enjoy the Silence“ gemacht. Die Qualität ist nicht dolle und ich mußte die Tonspur ein bissel befriemeln. Aber es war unglaublich lustig.

Pssst, ich hab auch eine Amazonwunschliste – da hab ich „The Missing Room“ mal hinzugefügt 🙂

Filmpreview: „Sugar Pow’d’er looks like cocaine“

Sugar Powder looks like Cocaine Selbst wer mich nur rudimentär kennt, weiß dass ich ein Filmjunky bin. Was liegt da näher als der Wunsch selbst an einem mitzuwirken. Also habe ich auch nicht lange gezögert, als mein ehemaliger Wohnheimkollege mich mit der Anfrage konfrontierte bei einem Film für das universitätseigene Kurzfilmfestival, die Otto Awards, mitzuwirken. Auch wenn das ganze Projekt nicht gerade von überbordender Professionalität gesprüht hat, hat es einen riesigen Spaß gemacht. Von der Skripterstellung bis zum Dreh. Natürlich wurde das ganze von einer Menge Bier begleitet und ist im Prinzip eine kleine Homage an immergrüne Filmklassiker. Aber genug geredet, ich will ja Werbung machen, denn der Film wird am 8. July im Rahmen der Otto Awards in der „Alten Mensa“ in Freiberg gezeigt.

Vielleicht wirds den Streifen dann später mal Youtube geben. Wer sich für ambitionierte, aber noch nicht ganz perfekte, Kurzfilme interessiert und im Raum Sachsen wohnt, sollte sich an diesem Mittwoch Zeit nehmen.

Ich (und meine Freundin) spielen übrigens Profikiller für die Mafia. Trotzdem ein harmloser und amüsanter Streifen. Nicht mehr lange und wir spielen in einem Scorsese Film mit 🙂

Filmreview: „So finster die Nacht“

Manche Filme werden wohl wegen mangelnder Kompatibilität zu den Massen nie im Kino gezeigt. Andererseits gibt es Streifen auf die man getrost verzichten kann – und davon mehr als genug. Ich mache das jetzt mal am Beispiel „Twilight“ fest. Ein blutleerer Vampirfilm der nichtmal stilistisch punkten kann. Aber er hatte Erfolg. Dabei bieten Vampire doch mehr als genug Inspiration um Meisterwerke wie „Nosferatu“ oder „Interview mit einem Vampir“ zu kreieren. Eine Quintessenz dabei ist aber auf jeden Fall auffällig: Verzicht auf seichte Klischees.

Vor kurzem stolperte ich in einer Randnotiz in der TV-Zeitschrift (!) über den Film „So finster die Nacht“ welcher mir ob seines Szenenphotos (siehe Bild rechts) in die Augen fiehl. So finster die Nacht Die Pressestimmen versprachen einen sehr alternativen Vampirfilm der vor allem durch leise Töne, kunstvolle Bilder und wenige Schockeffekte überzeugen sollte. Damit wäre der Rahmen auch gut abgesteckt.

Es geht um ein 12 jährigen Jungen irgendwo in einem schwedischen Kaff an dem der wirtschaftliche Aufschwung wohl vorbeigegangen sein muß. Der wasserstoffblonde Oskar ist ruhig, fast verschlossen und wird von einigen Mitschüler grundlos drangsaliert. Hinzu kommt sein morbides Interesse an Gewaltverbrechen. Als eines Nachts ein Mädchen in seinem Alter in der Nachbarwohnung einzieht, verändert sich sein Leben. In der Nachbarschaft häufen sich Todesfälle währende sich Oskar mit der blassen Eli mehr und mehr anfreundet. Ein zarter Hauch erster Liebe, Adoleszenz aber auch Blut in einer Welt die nicht nur vom Winter kalt ist…

Das Urteil „langweilig“ wird wohl dem Gelegenheitsfilmgucker schnell über die Lippen gehen, Fans von kunstvollen Filmcollagen wird dieser Film aber zusagen. Vor allem seit es Usus ist Filme so zu schneiden dass man davon Epilepsie bekommt, bin ich froh dass es eben auch noch Beispiele für die Wirksamkeit des Langsamen und der sensiblen Töne gibt. Der Horror geht dabei relativ subtil von statten. Es muß nicht immer Folterporno sein um die Nerven zu zwirbeln. Versetzt man sich in die Atmosphäre die dieser Film versprüht, wirkt das Geräusch von Blut dass aus einem geschächteten Menschen in einen Plasteeimer plätschert viel heftiger als eine Nahaufnahme der Schnittwunde. Mir persönlich hat er gefallen. Nicht zuletzt wegen des kleinen Mädchens, dass mich manchmal sehr an die finstere „Alma“ aus dem Gruselshooter „F.E.A.R“ erinnert.

4,5/5 Punkten

Filmplakat

Filmplakat

Filmreview: Greenfingers

Nachdem ich nun schon eine ganze Reihe Filme mit Clive Owen gesehen und für gut befunden habe, muß ich mich langsam als Fan outen. Seine Auftritte in Sin City und meinem Action-Favoriten aus dem letzten Jahr, Shoot ‚em Up, haben gezeigt dass harte Kerle nicht nur in der Lage sein sollen ihre Widersacher auf stilvolle Art aus dem Leben zubefördern, sondern auch Profil haben können.
Bevor sich Clive Owen einen Namen als mürrische Killerkoryphäe gemacht hat, ist im Jahr 2000 mit ihm in der Hauptrolle eine kleine Perle im, ich nenne es mal „feel-good-movie“ Genre, entstanden.
(Für jene die meinen primären Filmgeschmack nicht kennen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich eigentlich eher auf bittere Filme stehe, deren Enden so apokalyptisch wie möglich sein können.)

Greenfingers

Greenfingers

In Greenfingers geht es um eine kleine Gruppe von (eigentlich Schwer-)Knackis die ausgewählt wurden in einem moderaten Vollzug ihre Strafe mit sinnvollen Aufgaben in einem Gefängnis ohne Mauern zu verbringen.
Der schweigsame Colin Briggs (Clive Owen) hat eigentlich keine Erwartungen an das Leben, vor allem aber nicht an eine mögliche Zeit nach dem Gefängnis. Und so kommt es dass ihm der alte Zellengenosse, Fergus Wilks (David Kelly), zu dem er einquartiert wurde, dazu bringt statt Knasttoiletten zu schrubben, lieber gärtnern soll. Was sich vor allem unter den Augen des botanophilen Gefängnisdirektors als überaus gute Idee herausstellt. Zusammen mit dem alten Fergus Wilks, dem Klischeeknacki Raw (Adam Fogerty) und ein paar weiteren Insassen, legt Briggs einen Garten im Gefängnis an, der schnell, nicht nur bei der Gartenbau-Göttin Georgina Woodhouse (große Klasse: Helen Mirren), großes Interesse erweckt. Schlußendlich werden sie sogar zur renomierten britishen Hampton Court Show eingeladen…

Fazit: Neben der, nicht wirklich neuen, Geschichte um eine von der Gesellschaft ausgegrenzten Truppe die mit grünem Daumen die Herzen der Menschen gewinnen, gibt es natürlich auch eine kleine, dezente Lovestory. Klingt nach seichter Kost für den Fernsehabend mit der Familie. Und das ist es auch. Aber sie ist gut. So gut, dass sie mich dazu bewogen hat eine Empfehlung auszusprechen. Von der allgemeinen Kritik eher als „mittelmäßig“ abgetan, ist Greenfingers einer der Filme für mich, die trotz ihres geringen Anspruches mein Interesse und deren Charaktere meine Sympathie gewonnen haben. Abgesehen davon, freue ich mich jetzt auch wieder auf den Frühling und seine Blumenpracht.

Filmkritik: Max Payne

Ich muß gestehen, ich habe mich auf diesen Film gefreut wie auf Weihnachten. Deshalb bin ich jetzt, so kurz nachdem ich den Film gesehen hab, wohl etwas subjektiv.

Zunächst mal muß ich in eigener Sache noch den Rechteinhabern danken dass sie die Lizenz NICHT!!! an meinen liebsten Feind Herrn Dr. Uwe Boll vergeben haben.

Der Third-Person Shooter Max Payne sowie dessen Sequel sind Meilensteine der Videospielgeschichte. Selbst aus heutiger Sicht grafisch sehr ansprechend und mit der Einführung von „Bullet-Time“ Effekten auch noch sehr innovativ. Damit war es möglich mit temporär „verlangsamter“ Zeit Kugeln auszuweichen, wie man es aus dem Film „Matrix“ kennt. Das allein war für viele schon ein Kaufgrund, aber die Entwickler haben es tatsächlich nebenbei noch geschafft sich um Gameplay und vor allem Story zu kümmern. Derartige Racheopern gabs so noch nicht auf den gängigen Spieleplattformen. Ich habe Max Payne 1 und 2 regelrecht gefressen und man könnte sagen ich bete um einen Dritten.
Weiterlesen