Leben und wählen

Ich schäme mich meinen Blog so zu vernachlässigen aber im Moment gibt es einfach wichtigere Dinge. Ich verbringe meine Tage und Nächte damit meine Belegarbeiten zu schreiben, die mich davon abhalten nach beinahe 7 Jahren Studium endlich mit dem Diplom anzufangen. Ich gehöre in der Tat nicht zu den fleißigen und ehrgeizigen Karrieristen aber nun grämt es mich doch, dass die Kommilitonen, die nicht das Handtuch geworfen haben, inzwischen größtenteils fertig sind mit der Uni. Zwischenzeitlich habe ich ernsthaft daran gezweifelt ob ich das jemals schaffe und die Vorstellung so überaus begabt und intelligent zu sein nur Selbstüberschätzung und Illusion sind. Kurzum, ich habe vor nun doch endlich zu einem Ende zu kommen. Bei allen Schwierigkeiten die ich mit dem Lernen und dem strukturierten Arbeiten habe, bei allen psychologischen Barrieren, so habe ich bisher doch viel in meinem Leben erreicht. Ein wenig mehr Stringenz und Kontinuität würden dabei aber nicht schaden. Zeit erwachsen zu werden. Ich habe in meinem Studium viel Zeit „verschwendet“ indem ich die schöneren Dinge des Lebens genossen habe und die Arbeit hinten angestellt. Das hat sich natürlich irgendwann gerecht, aber ich neige dazu es nicht zu bereuen. Die Vorstellung irgendwann auf die Jugend zurück zu blicken, in dem Bewußtsein so vieles nicht getan zu haben, erschreckt mich schon sehr. Letztendlich ändern sich zwar die Wünsche und Vorstellungen mit dem älter werden, aber ich höre so oft wie sich Menschen darüber beklagen dies und jenes nicht getan zu haben und nun entweder zu alt dafür sind oder es die Zeit einfach nicht mehr zulässt. Jedenfalls glaube ich diesem Sinnvakuum vorgebeugt zu haben indem ich mich dafür entschieden habe einfach nicht an die Zukunft zu denken. Aber nun ist es genug. Der Versuch ewig 20 zu sein wirkt irgendwann nur noch lächerlich und so ist es nun an der Zeit voranzuschreiten. Das funktioniert zwar nicht gänzlich ohne Schwierigkeiten aber zumindest ohne unterschwelligen Gefühl irgendetwas zu verpassen. Das finale dieses Erkenntnisprozess war ein Disput im Urlaub in Dänemark. Stagnation im Studium und das Fehlen eines Lebenszieles haben mich psychologisch in eine Ecke getrieben und die gut gemeinten Ratschläge meiner Freunde für die Zukunft, wirkten in dem Moment wie Plattitüden deren Botschaft mir ohnehin schon längst klar war. Aber so ganz umsonst war es dann doch nicht. Aber das nur am Rande. Um den Bogen vom Thema Spaß und Verantwortung zu aktuellen Geschehnissen zu ziehen, heute habe ich mich, wie hoffentlich alle Wahlberechtigten, meiner politischen Verantwortung gestelllt und an der Demokratie partizipiert. Nicht gänzlich ohne mulmiges Gefühl in der Magengrube. Ich will hier nicht explizit darlegen auf wen meine Wahl gefallen ist (wer mich kennt oder zwischen den Zeilen meiner Artikel lesen kann, wird es sich sicherlich vorstellen können), aber ich wähle nicht mehr aus Überzeugung. Das wäre Selbstbetrug. Was ich an Zuversicht für mein persönliches Leben gewonnen habe, ist mir an politischem Glauben verloren gegangen. Politikverdrossenheit nennt sich das wohl im Soziologenjargon. Mein Idealismus stirbt. Aber was solls. Deswegen geht das Leben trotzdem weiter. Zuerst mit großen Schritten und hoffentlich bald mit kleinen. Ziele sind wichtig im Leben. Ohne wäre Wählen eine Qual.