10/2016

Die Intervalle zwischen meinen Beiträgen werden irgendwie immer länger und ich habe zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt, das hier alles komplett einzustampfen. Dass ich diesem Impuls nicht nachgegangen bin, sollte mit diesem Artikelchen klar geworden sein 🙂

Ich gebe zu, ich habe lange Zeit keine Idee gehabt, worüber ich schreiben soll. Vielleicht hatte ich aber auch zuviele Ideen und war dann vom rosa Rauschen derartig paralysiert, dass ich mir lieber ein Bier aufgemacht habe. *räusper*

Dabei gibt es eigentlich so viele schöne und noch viel mehr nicht so schöne Dinge, die es wert sind, mit ein paar Zeilen bedacht zu werden. Soviel zur aktuellen Motivation. Kommen wir zu den aktuellen Entwicklungen:

Ich bin jetzt seit bald einem Jahr verheiratet, mein Sohn hat jetzt schon eine große Zwei auf dem Zähler und entwickelt sich prächtig. Ein gesunder Bursche mit einem sehr ausgeprägten eigenen Willen. Im Sommer habe ich mich beruflich komplett umorientiert und stehe kurz davor, mit Kind und Kegel ins Schwabenland abzuhauen. Seit 1. August bin ich dabei Sachverständiger beim TÜV Süd IS (nein es handelt sich nicht um eine offizielle Körperschaft marodierender Islamisten sondern um den Industrie Service) zu werden und habe nun auch nach langem und intensivem Kampf den größten Gegner hier im Ländle bezwungen: die Wohnungssuche. Die war wirklich alles andere als ein Zuckerschlecken denn hier kommen nicht nur gefühlt 100 Bewerber auf eine x-beliebige Wohnung sondern tatsächlich. Im konkreten Fall war es zudem auch noch eine sehr schöne Immobilie und gleich einmal 160 Konkurrenten. Auf dem Dorf. 25km von Stuttgart entfernt. Verrückt.

Jedenfalls geht es ab Anfang Dezember dann wirklich und wahrhaftig los. Die Zelte in Jena werden abgebrochen und Frau und Kind müssen sich an eine neue Umgebung gewöhnen. Der heutige Besuch in der neuen Kita und überhaupt der wirklich schönen Ecke an der Weinstraße zwischen Bietigheim und Heilbronn lass die Sorge darüber aber schnell kleiner und kleiner werden.

Parallel zu dieser Entwicklung, wird mir aber auch eines ganz extrem bewusst: Das Erwachsensein hat mich überrollt. Rechnungen, Verträge, Bonitätsauskünfte, Versicherungen, Haushaltkalkulation und Steuer und Shit … Yeah. Allerdings ist deswegen nicht alles Scheiße. Wer mich kennt, der weiß auch, dass ich mitunter zu Pessimismus oder gar ausgeprägtem Nihilismus neige. Ein Charakterzug der halt da ist und der wird wohl auch bleiben bis der Deckel über mir zu geht.

Allerdings habe ich das erste mal seit langer Zeit wieder das Gefühl, dass es vorwärts geht. Auch wenn mein aktuelles Lebensmodell alles andere als punk ist – man könnte es schlichtweg als totale Spießerfalle sehen – es hat etwas Befriedigendes. Ein Stückchen heilsame Oase in einer Welt, in der augenscheinlich ganz viel Kacke ganz hart am dampfen ist.

Ich möchte das nicht aus den Augen verlieren, nur weil ich bald in einem Kuhdorf wohne umringt von Weinbergen, Pferdekoppeln und romantischen Wäldern. Es wäre tragisch wenn meine politische Wut in der Komfortzone eines Reiheneckhauses in idyllischer Lage (man merkt bestimmt dass ich mich darüber freue) verpufft und meine größte Sorge die limitierten Sonderangebote in der Kaufhalle sind.

Vielleicht hat ja jemand eine Anregung worüber ich mal meine 0,02$ auslassen kann.

In der Zwischenzeit hat meine liebe Frau einen eigenen kleinen Blog angefangen, der sich bestimmt auch gerne einer größeren Leserschaft erfreut. Zu finden ist Frau Rabenschnabel hier.

all the best,

e.

Recently on AMCs „Life of Erik“

Pure electricity … in … my … pants.

Ich geb es ja zu. Mein Vorhaben öfter zu bloggen ist im letzten Jahr dramatisch gescheitert. Es ist viel passiert über das ich hätte schreiben können, allerdings hatte ich im Anschluß daran immer entweder keine Muße oder keine Zeit.

Ich versuche gar nicht erst irgendwelche Ausreden zu finden. Die Arbeitslosigkeit hat mir dahingehend schon ziemlich die Motivation abgegraben. Es hatte sicher auch seine positiven Seiten, nicht jede Woche an Termine und Zeiten gebunden zu sein, aber die negativen Seiten überwiegen maximal. Auch wenn der finanzielle Aspekt gravierender erscheint, so ist es doch das Gefühl der Nutzlosigkeit welches wie ein Mahlstrom das Selbstwertgefühl mit sich reißt und oft nur Agonie und Depression übrig läßt.

Ich möchte aber eigentlich nicht so viel über die psychologischen Effekte der aktuellen Arbeitslosigkeit referieren, sondern etwas positives Berichten. Bei mir dauern ja viele Dinge etwas länger und dann kommt alles Schlag auf Schlag. Die Empfehlung einer Personalagentur arrangierte ein Vorstellungsgespräch welches Mitte November in einer Schnupperwoche resultierte. Als dann die Vorabversion eines Arbeitsvertrages in meiner Tasche neben einer Flasche Braufactum Bier lag, konnte ich es nicht mehr erwarten endlich ein Leben anzufangen, welches meine Ingenieursausbildung eigentlich mal für mich vorgesehen hat.

Es ist schon ungewöhnlich in welch kurzer Zeit man eine Arbeit und so etwas wie eine Traumwohnung finden kann. Genau das ist nämlich geschehen und war auch der Grund für eine längere Netzabstinenz. Die notwendigen Unterlagen für den Abschluß des Mietvertrages waren dann auch rechtzeitig zusammengetragen um das Nötigste noch vor dem ersten Arbeitstag zu erledigen. Und was soll ich sagen, es hat sich gelohnt. Auch der darauffolgende Stress, 10h Tagwerk verrichten um dann zuhause wieder an der Werkbank stehen, taten der gerechtfertigten Euphorie kein Abbruch. Und so geht es nun endlich los. Ein bißchen spät aber besser als nie.

Am Ende dieses Jahres kann ich bedenkenlos resümieren, das viel Gutes geschehen ist, ich viel Schönes erlebt habe und ich Mut und Kraft (und leider auch ein kleines Bäuchlein) in das neue Jahr mitnehmen kann.

An dieser Stelle ist es mir eine obligatorische Pflicht aber auch eine ehrenvolle Freude mich bei allen neuen und alten Freunden zu bedanken, die letztendlich mit dazu beigetragen haben, dass ich nicht vor die Hunde gegangen bin, sondern die Chance bekommen habe zu prosperieren und zu beweisen, dass weder das Vertrauen in mich, noch mein Ingenieurstitel für die Tonne sind.

Ich weiß, das sind sehr persönliche Dinge, aber es ist mir wichtig.

Auch wenn ein geregelter Tagesablauf manchmal die Zeit für persönliche Dinge arg zusammenschrumpfen läßt, so hat man doch wieder mehr Freude an den Dingen für die man sich die Zeit nimmt. Damit meine ich nicht nur das Bloggen, sondern auch gemeinsame Aktivitäten mit Leuten die man mag. Nicht zuletzt tat es auch ungemein gut die Bürden des letzten Jahres nicht allein tragen zu müssen. Jemanden zu haben, mit dem man streben und streiten kann, ist in der heutigen Zeit vielleicht das Wichtigste geworden. Nicht das neueste Smartphone, nicht der Premiumtarif im Fitnesstudio, sondern ein Hafen für die Seele. Zumindest ist es für mich so. Und solche Dinge wie ein Umzug, ein Depeche Mode Konzert oder kräftezehrende Festivals werden umso schöner, wenn sie mit Liebe gefüllt sind. Manchmal  braucht man allerdings ein Bißchen um das zu erkennen.

Es läuft gerade gut. Ich hoffe das wird so bleiben. Euch wünsche ich das auch. Ihr, die Ihr lest was ich zu sagen habe.

„Ich hab‘ den Job“

Ein Satz den ich schon immer mal sagen wollte. Viel Erfahrungen hatte ich bisher weder mit Bewerbungen noch mit Vorstellungsgesprächen. Aber ich hatte Erfolg. Ab Februar oder evtl. erst März bin ich Praktikant in der Qualitätssicherung eines großen Automobilkonzerns. Auch wenn das Menetekel „Rezession“ so gut wie alles überschattet, bin ich guter Dinge. Es bringt eigentlich niemandem etwas sich dem Pessimismus hinzugeben und die Hände in den Schoß zu legen. Ich kann mich grundsätzlich zwar nicht über meinen bisherigen Werdegang beklagen, der trotz gelegentlicher Sackgassen und beinahe-Abgründe immer nach oben führte, jedoch wurde auch mir der Silberlöffel nicht in die Wiege gelegt. Nun denn, ich will mich nicht Selbstanalysen verlieren und freue mich auf meine anstehende Aufgabe. Es wird sicherlich eine ungewöhnliche Erfahrung, denn es ist quasi meine erste „richtige Arbeit“, aber ich freue mich darauf.