WGT Tagebuch #5

Der Dienstag nach dem WGT ist jedes Jahr aufs Neue Mist. Aufbruch. Endzeit. Sachen packen, Augenringe kaschieren, abreisen. Ein paar Stunden zuvor noch in der Disco rumgespackt, im nächsten Moment schon mit einem traurigen letzten Bierchen am Bahnhof sitzen und auf den Zug warten. Meine Freundin ist bereits auf der Autobahn und mein Zug rollt nun auch und ich nutze die Stunde Fahrt um den letzten Tag des 20. WGT noch einmal Revue passieren zu lassen.

Da die Luft insgesamt schon ziemlich raus war und wir das dringende Bedürfnis hatten uns noch einmal mit ein paar Freunden in der Stadt auf ein letztes Glas Absinth zu treffen, konnten wir uns mit dem Standardprogramm gestern genug Zeit lassen. In der Agra habe ich dann doch noch ein bißchen Bandmerch bekommen, und zwar ein schickes Kirlian Camera Polo. Mit der Straßenbahn an den Hauptbahnhof und von dort aus wieder in die Absintherie Sixtina die erwartungsgemäß brechend voll war. Aber es gibt ja Tabletts und eine Straße wo wir die Inspiration für Dichter und Denker auf der Bordsteinkante zu uns nahmen. Pures understatement nenne ich das. Und ein doppelter Libertine 72 (72 vol.-% Umdrehungen) sind wirklich Inspiration genug. Das Problem an schönen Momenten ist, dass sie immer sehr schnell vorbei gehen. So auch unser Treffen an der Sixtina, denn vor dem nächsten Konzert wollten wir noch unsere Kameras in die Pension schaffen und ein Häppchen essen. Aber die beste Infrarstruktur ist nicht immun gegen Idioten und so blieb die Straßenbahn auf halber Strecken wegen eines „Fremdunfalls“ stehen. Was genau das war, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen, dessen Konsequenzen spürten wir aber sehr deutlich in Form von nicht fahrenden Straßenbahnen und SEV-Bussen die so voll waren dass sie nicht einmal die Türen aufgemacht haben. Jene die wie Ölsardinen darin ausharrten kamen sich bestimmt bestimmt vor wie in einem Zombiehorror als die reichlich ungehaltenen schwarzen Gestalten auf die Bustüren zustürmten und wütend dagegen klatschten.

Ich habe kurz zuvor schon an unsere Kontaktperson im Werk II telegraphiert dass wir von Glück reden könnten, wenn wir die letzten beiden Liedern der Horrorpunkband „Bloodsucking Zombies from Outerspace“ noch mitbekämen. Und was soll ich sagen, ich sollte Orakel werden. Der „Monster Mutant Boogie“ und die Zugabe waren die letzten Lieder die wir im vollen Werk II zu hören bekamen als wir nach unserer kleinen Odyssee in Richtung Bühne stürmten.

Aber was will man machen. Jammern bringt ja auch nichts. Also hab ich mir den Frust mit einem kühlen Bierchen weggespühlt und mit den beiden lieblichen Damen an meiner Seite beschlossen auch das nächste Konzert außerplanmäßig noch mitzunehmen. „Thee Flanders“ spielten soliden Rockabilly Horrorpunk der schon ein bißchen für die lange Wartezeit entschädigt hat. Der Held des Abends war allerdings eine andere Formation. Wie sich zeigte empfanden das später auch noch sehr viele andere so. Viel zu früh erreichten wir die Halle 15 der alten Messe um uns auf Hocico zu freuen. Während wir auf dem Vorplatz saßen, schnatterten und dem Lärm von „Dive“ lauschten, wurde die Schlange vor dem Eingang so lang dass abzusehen war dass es voll würde wenn der vorletzte Act des Abends sein Programm darbietet. Aber es hat sich gelohnt. Ziemlich gut positioniert und nicht direkt im Moschpit hat Erk Aicrag, Sänger von Hocico, wirklich eingeheizt. Ein würdiger Konzertabschluß für ein WGT das ich in dieser Vielfältigkeit bisher noch nicht hatte. Und es war mein neuntes. Fest steht auf jeden Fall aber jetzt Schon dass es nicht das letzte war.

Nachdem wir die Halle 15. Für dieses Jahr zum letzten mal verlassen haben, wollten wir den Abschluss noch in der „Villa“ mit ein bißchen Abschlußzappeln ausklingen lassen. Der Weg dahin hat mir persönlich aber schon genug die Füße zerwalkt sodass ich dort nur noch zwei Astra reingeschüttet hab. Die Zeit verging insgesamt aber trotzdem so schnell dass wir die letzte Bahn gerade so verpasst haben. Aber es gibt ja Taxen an jedem Bahnhof und der Leidensdruck war Schlußendlich so groß dass Susi die 10€ für den Heimweg in die Pension gelöhnt hat. Wohl die richtige Entscheidung wenn man bedenkt wie lang ihre Fahrt heute ist.

Schlußendlich gibt es nur noch eines zu sagen: Danke. Namentlich seien hier all die Seelen genannt die mich an diesem Wochenende begleitet haben.

Natürlich meine geliebte Freundin Susi sowie alle verrückten Geister: Maggi, Krümel, Kerstin, Hansen und Sophia (vielen Dank für die tolle Herberge am Donnerstag!), Stephan und Markus sowie Tin und Bianca. Natürlich auch alle flüchtigen aber trotzdem dankenswerten Bekanntschaften zwischendurch! Es war super!