Bunte Republik Neustadt 2012

Dresden, Neustadt. Einmal im Jahr wird es bunt, laut und vor allem voll. Die BRN ist inzwischen ein Magnet für eine Vielzahl von Menschen geworden. Bei weitem nicht nur Punks und Hippies sondern vor allem partylaunige junge und junggebliebene Menschen bevölkern jeden Quadratmeter zwischen Albertplatz und Alaunpark. Konzerte, „Workshops“ und DJs an allen Bühnen, Ecken und Balkons. Es gibt Paderborner Pilsner aus der Dose, das für ’nen Euro am Straßenrand verkauft wird. Eine gute Gelegenheit um mit alten und neuen Freunden auf das (noch) schöne Wetter anzustoßen.

Ich bin zwar eigentlich nicht zum Konzertphotos machen auf die BRN gegangen, aber da ich den schweren Eumel von Knippse ja nun dabei hatte, habe ich von der Görlitzer Ska-Truppe Yellow Cap ein paar Bilder gemacht. Das war auch echt vergnüglich und leutete leider schon das relativ zeitige Ende des Samstages ein denn kurz nach Ende des Konzertes begann es zu regnen als ob es kein Morgen geben soll. Als ich dann die ersten Wassertropfen unter dem Displayschutz meiner Kamera rumblubbern sah, beschloss ich den Heimweg anzutreten. Es war zwar ein kurzer Besuch, dafür aber ein recht schöner.

Moriarty in concert

Morgen spielen Moriarty in Dresden. Da solltest du hingehen

Wer mich kennt, weiß dass Spontanität bis vor einiger Zeit nicht gerade zu meinen hervorstechendsten Eigenschaften zählte. Nachdem mich die obige Empfehlung erreichte, brauchte es allerdings nur einen Clip bei Youtube um mich davon zu überzeugen dass es sich lohnen könnte. So machte ich mich gestern abend einfach so auf die Socken nach Dresden, ohne zu wissen ob es noch Karten gibt, um an einem Sonntag Abend im Kino „Schauburg“ eine Band zu sehen, von der ich einen Tag zuvor das erste mal etwas gehört habe. Und was soll ich sagen, das war die richtige Entscheidung.

Es muß nicht immer rhythmischer Lärm sein

Wikipedia beschreibt den Stil dieser multikulturellen Formation als Cabaret Folk deren Einflüsse traditionelle irische Musik, Country und Blues sind. Da ich mich in letzter Zeit hauptsächlich mit elektronischen Klängen beschallt habe, war das stilistisch schon ein Sprung ins kalte Wasser. Naja, eigentlich auch nicht, denn Bands wie Katzenjammer oder Voltaire mit ihrem liebevoll handgemachten Folksound, haben mir auch schon vorher sehr gut gefallen. Und geschmacklicher Stillstand steht mir irgendwie nicht.

Moriarty kommen eigentlich so ziemlich von überall her, haben aber in Frankreich zueinander gefunden. Sie tauschen ihre unzähligen Instrumente während der Auftritte genauso munter und unbeschwert wie es die Sängerin Rosemary Standley alias Rosemary Moriarty mit ihrer Identität tut. Dazwischen gibt es immer wieder nett kleine Scherze und Showeinlagen die selbst Elvis neidisch gemacht hätten. Das ganze in der ohnehin schon cabaretesken Atmosphäre des Sergio Leone Saals in der Schauburg – es war phantastsich. Mal gedämpft, fast komplett unplugged, kurz darauf wieder zünftig in die Saiten gehauen. Am meisten fasziniert mich aber die ungewöhnliche Stimme der Sängerin mit ihrem sehr warmen Timbre. Wenn es nicht so viel spaß gemacht hätte den fünf auf der Bühne zuzuschauen, hätte man auch gut und gerne die Augen schließen und sich für 2h treiben lassen können.

Ach Schreck, jetzt habe ich ja beinahe vergessen den Support zu erwähnen. Der wurde gestellt von Emit Bloch, ein kauziger Hillbilly aus Utah, der melancholisch-komischen Blues kredenzte, der für einige Lacher sorgte. Schonmal „This is the new shit“ von Marilyn Manson in einer Countryvariante gehört? Nein? Schade. Das werde ich sicher nie vergessen.

Zu guter Letzt konnte ich auch nicht ohne etwas bleibendes zurück nach Freiberg fahren und so mußte ich mich bei der Auswahl budgetbedingt auf das Debutalbum von Moriarty, das auf den unausprechlichen Namen „Gee Whiz But This Is A Lonesome Town“ hört, und eine niedliche 7″ Single von „Isabelle“, welche vom neuen Album „The Missing Room“ ausgekoppelt ist. Auf diese bekam ich dann auch noch je ein Autogram von Zim & Arthur Moriarty. Danke!

Ich hab auch einen kleinen Mitschnitt vom Depeche Mode Cover „Enjoy the Silence“ gemacht. Die Qualität ist nicht dolle und ich mußte die Tonspur ein bissel befriemeln. Aber es war unglaublich lustig.

Pssst, ich hab auch eine Amazonwunschliste – da hab ich „The Missing Room“ mal hinzugefügt 🙂