Posterous theme by Cory Watilo

Filed under: film

Und plötzlich: Ballett

Ladanse_plakat
Ich gebe zu, zunächst war ich skeptisch als ich gefragt wurde in einen Film über das Ballett der Pariser Oper zu gehen, aber ich dachte mir, es könne nicht schaden den eigenen Horizont auch über die gängigen Klischees zu erheben. Wenn ich mir schon einen arschbetäubend langen Streifen (zweieinhalb Stunden wurden an der Kasse angekündigt) über ein Sujet anschaue, das so weit außerhalb meines Tellerandes liegt, dann sollte es schon von einem der weltbesten Ensembles handeln. Frederick Wiseman zeigt vollkommen unkommentiert die Arbeit hinter den Kulissen eines ziemlichen harten Kulturbetriebes. Der Anspruch etwas außergewöhnliches zu schaffen, ist die Triebfeder hinter den Tanzschulen rund um die Pariser Oper. Das Beste ist den Choreographen gerade gut genug und das merkt man den Resultaten auch an. Der Film vermittelt einen Eindruck über jeden Bereich: Die Zusammenstellung der Spielpläne über Zeiträume von drei bis fünf Jahren, wie die Kostüme in akribischer Handarbeit genäht werden, aber auch einfach nur Szenen aus der Kantine. Natürlich geht es primär um das Training der Tänzer und Tänzerinnen unter den verschiedensten Choreographen vom klassischen bis zum modernen Ballett. Gerade jetzt wo Black Swan das Thema Ballett und die obsessive Hingabe dazu einem verhältnismäßig breiten Publikum offerierte, hatte ich die fälschliche Erwartung eine Dokumentation über harten Drill kredenzt zu bekommen. Dass es ein rauhes Pflaster ist, verbirgt der Film auch nicht, aber es wird zu keiner Zeit versucht reißerische Einblicke in die Unmenschlichkeit des Theaterbetriebes zu generieren.

Jedenfalls hat es mir sehr gefallen und ich habe ein breites Spektrum an Stilen kennengelernt, weiß jetzt was sich hinter Arabesque und Plié verbirgt und es hat mir nicht geschadet mich einmal intensiver mit den Feinheiten verschiedenster Bewegungen im Kontext einer durch Tanz erzählten Geschichte auseinanderzusetzen. Es ist eben nicht nur Rumgehoppse und irre Verrenkungen sondern Choreographien die mit Gefühl und Kraft die Ästhetik der Bewegung zelebrieren. Man könnte meinen, die Grundausbildungen von Ninjas und Ballerinas sind identisch, denn sie scheinen der Schwerkraft zu trotzen und haben wohl nur Verachtung für die Grenzen des menschlichen Bewegungsapparates.

Der folgende Trailer gibt ein wenig Einblick in diese Mannigfaltigkeit

(download)
(via koolfilm.de)

Auch wenn die u.a. in dieser Doku betrachtete Nurejew Inszenierung von Tschaikowskis Nussknacker das Prädikat "Exzellent" verdient hat, gefiel mir die moderne Tanzperformance "Genus" von Wayne McGregor am besten. Es hatte ein bißchen was von krumpenden Engeln:

Abgesehen von den schönen Einblicken in das Ballett, gab es noch ein wenig Trivia über das Pariser Opernhaus. Interessanterweise gibt es in den Katakomben des Hauses Fische und auf dem Dach einen Bienenstock. Meine Vorbehalte in eine Balletinszenierung zu gehen sind jedenfalls drastisch gesunken. Dafür ist der Anspruch daran gleich ziemlich explodiert denn die Filigranität so superber Ensemble wie diesen, habe ich in diesem Film schnell schätzen gelernt.

Trotzdem bleibe ich ein Mann. Und als Photograph würde ich sehr gerne mal eine Ballettänzerin mit der Kamera begleiten. Jetzt mehr denn je.