Tiefgreifende Veränderung

Wenn man einen Fulltimejob hat, ist bloggen so ein bißchen wie den Keller aufräumen oder Klamotten aussortieren. Man möchte es gerne tun, es würde sich gut anfühlen aber es fehlt einfach die Zeit, bis man Sie sich einfach nimmt.

Zwischen Tür und Angel mache ich das jetzt einfach mal. Ein wenig habe ich ja schon zu erzählen. Etwas, das sich sicherlich schon rumgesprochen hat aber das es wert ist, noch einmal ausführlich darüber zu schreiben.

Es ist nun knapp ein Jahr her, dass ich mich ins Berufsleben gestürzt habe. Der Traumjob ist es nicht und am Ende des Monats gibt’s meistens eher so eine Runde Null auf dem Kontoauszug. Aber darüber sehe ich hinweg, denn ich gehe davon aus dass mein Schicksal dahingehend noch nicht in Granit gemeißelt ist.

Viel wichtiger ist aber ein Faktor der mein Leben entscheidend verändert hat und Nachwirkungen bis zu meinem letzten Atemzug haben wird.

Ich bin Papa geworden. Am 18. September 2014 um 15:55 erschien es mir für einen undefinierbar langen Augenblick als ob das Universum stehen geblieben ist als mein kleiner Sohn das Licht der erblickte. Auch wenn all die blutigen und matschigen Details einer Geburt mich nicht aus den Socken kippen konnten, kamen mir die Tränen als ich das kleine Würmchen da liegen sah. Noch ein bißchen lila an den kleinen Händchen und mit klebrigen Matsch überzogen. Auch wenn es wirklich absolut nichts romantisches an einer Geburt gibt, habe ich noch nie etwas so intensiv schönes gefühlt und erlebt. Und ganz nebenbei, egal wie stark ein Mann glaubt zu sein, kann ich mir nicht vorstellen dass wir etwas vergleichbares ohne bleibendes Trauma überstehen würden. Meine tiefe Bewunderung für alle Mütter die in Stunden- oder Tagelanger Agonie ein Leben auf die Welt bringen und schon Minuten später quasi vergessen haben was für unbeschreibliche Schmerzen Sie da ertragen haben.

Jedenfalls habe ich jetzt zusammen mit meiner liebsten Freundin eine kleine Schreiraupe zuhause. Bisher kann ich mich nicht beklagen denn er ist genügsam wenn seine Grundbedürfnisse nach einem vollen Magen, einer sauberen Windel und vielen Kuscheleinheiten befriedigt sind. Nach all den Horrorgeschichten über ausdauernde Crybabies hätte es uns wirklich schlimmer treffen können.

Ich bin sehr froh dass ich noch vor meinem 30. Geburtstag den Titel „Papa“ erlangt habe, denn, auch wenn es inzwischen gesellschaftlich nicht nur akzeptiert sondern usus ist erst verhältnismäßig spät Kinder zu bekommen 1, wollte ich eigentlich nicht erst Vater werden wenn mein Lebenslicht nur noch glimmt und ich nicht mehr die Nerven habe einem kleinen Wirbelwind hinterherzurennen. Das soll natürlich keine Wertung gegenüber jenen sein, bei denen es sich eben erst spät ergeben hat.

Genug von der gesellschaftlichen Analyse, ich bin einfach nur froh dass der kleine Oliver Eriksson (falls die Frage aufkommt, nein es gibt keine Verbindung zu einem Mobilfunkhersteller der für den Konsumenten hier ohnehin nicht mehr interessant ist) gesund und munter ist, fleißig wächst und zunimmt und lieber schläft und lächelt als zu brüllen. Auch wenn er schon von Anfang an meine Stirnfalten der „grumpyness“ zeigt, scheint er zufriedener kleiner Mann zu sein. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass er das noch viele viele Jahrzehnte ist.

Ich werde sicher immer mal über Ihn und uns schreiben und ein paar Bilder (mit Passwortschutz2) posten, aber ich werde hier keinen Babyblog aufmachen. Da gibt es schon genug schöne (aber auch lächerlich peinliche) Seiten, bei denen man sich Lust auf ein Baby oder die Bestätigung für gewollte Kinderlosigkeit holen kann.

Ich jedenfalls bin nun Papa. Und das ist toll.