WGT Tagebuch #1

„Guten Abend meine Damen und Herren. Es gibt Menschen, die leben als seien sie schon tot. Sie nennen sich „Grufties“, kleiden sich schwarz, rasieren die Köpfe, piercen sich an allen erdenklichen Körperstellen, schminken sich weiß oder blutrot, tanzen nach Heavy-Metal-Gedröhn und verehren alles Teuflische.“

Es ist inzwischen eine kleine Tradition meinerseits geworden über das schwarz-bunte Treiben auf dem alljährlichen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig in Form eines kleinen Tagebuches zu berichten. In diesem Jahr gibt es auch ein Jubiläum zu zelebrieren, denn das erste WGT fand vor genau 20 Jahren statt. Auch wenn ich „erst“ seit dem 10. dabei bin, fühle ich mich dieser Veranstaltung regelrecht verpflichtet und ich trauere noch immer der Tatsache nach, dass ich nur 9 Bändchen in meinem Kartenkasten habe. Einmal sollte es einfach nicht sein. Soviel zum Vorgeplänkel, viel gibt es heute auch noch nicht zu berichten denn gestern (Do, 9.06) bin ich gerade mal angereist, habe eine größere Menge Bier, Met und und Absinth vertilgt und zumindest mein Bändchen (welches farblich bedingt immer mit einem „schwuuul“ beschrieben wird) abgeholt. Da Zeitmanagement nicht unbedingt zu den Stärken meiner aktuellen Reisegruppe gehört, habe ich natürlich das Highlight des gestrigen Abends nicht erlebt. Schade, Henke wollte ich eigentlich unbedingt sehen. Aber eigentlich sind die 300 Bands, Lesungen, Märkte etc. nur Rahmenprogramm für den eigentlich Zweck dieses Treffens: Sich treffen. Und das wird im Laufe des Pfingstwochenendes mehr als einmal passieren.

Der Großteil des heutigen Tages ist aber erstmal mit Pension beziehen, Bier kaufen und Programm studieren verplant. Und auf meine bessere Hälfte warten. Die reist just in diesem Moment aus dem fernen Heidelberg an. Damit ist sie aber bei weitem nicht die am weitesten angereiste. Gestern in der Straßenbahn hörte man schon wieder französische und spanische Gruftis. Es bleibt wie es ist, das WGT ist immernoch die wichtigste Veranstaltung für die „schwarze Szene“ und darauf kann Leipzig stolz sein.

PS: Wie es mit Bildern sein wird, kann ich noch nicht genau prognostizieren. Kamera ist zwar dabei, aber da ich das schwere Gerät ohne die obligatorische Akkreditierung nicht an den bösen Türstehern der Konzerte vorbeikriege, wird sie wohl nur beim flanieren dabei sein.

Bis dahin m/

[Festival] 20. Wave-Gotik-Treffen

Natürlich werde ich auch dieses Jahr alle Hebel in Bewegung setzen um auf die vermeintlich wichtigste Veranstaltung der „schwarzen Szene“ zu fahren. Photographieren wird wohl auch dieses Jahr nur außerhalb der Konzerthallen drin sein, aber ich habe mir vorgenommen mich dieses mal in die Schlange der zahlreichen Photofonzies einzureihen um soviel gruftige Ästhetik wie möglich einzufangen. Wie auch immer das Line-up aussehen mag, WGT ist einfach Pflicht. Aufgrund des 20. Jubiläums erst recht.

WGT Tagebuch Tag 4

Der letzte Tag des WGT ist oft ein bißchen traurig. Das beinahe schönste Wochenende im Jahr ist leider immmer viel zu früh zuende und mit den letzten Konzerten und Veranstaltungen gibt es noch einmal ein letztes Aufbäumen bevor der nächste Tag die Abreise bedeutet. Berufsbedingt gibt es auch am Montag immer schon viele mit Zelten und Koffern bepackte Heimkehrer aber für uns gibt es heute noch ein bißchen Programm. Der Abend wird im Kohlrabizirkus von der Drum’n’Noise Combo KiEw eingeläutet und mit einigen Intermezzi von The Klinik ausklingen gelassen. Der Nachmittag wird wohl nach dieser Nacht hauptsächlich mit chillen verbracht. Geld ausgeben macht auch nicht mehr so viel Spaß wie früher und man braucht eben doch ein wenig Ruhe. Photographieren werde ich heute wohl nicht mehr aber ein abschließendes Statement wird es später noch geben. Aber eines kann ich jetzt schon sagen. Das 19. Wave Gotik Treffen war mal wieder sehr schön obwohl es nicht mehr das selbe Flair hat wie früher. Aber ich glaube das liegt daran das ich bald zum 10. mal dabei bin. Trotzdem freue ich mich auch jetzt schon wieder auf nächstes Pfingsten.

WGT Tagebuch Tag 3

Nach dem üblichen üppigen Pensionsfrühstück sollte der Tag mit einem weiteren kulinarischen Highlight beginnen. Absinthfrühschoppen in der Absintherie La Petite. Der Name kommte nicht von ungefähr, denn sie ist wirklich sehr klein. Was allerdings keineswegs klein war, ist die Absinthkarte. Ein beachtliches Sammelsurium, aus dem es schwer fällt zu wählen. Aber zumindest meine Wahl hat mich mitnichten enttäuscht. Libertine 72 hielt was er versprach und schmeckt hervorragend. Dafür lohnte es sich auch ein bißchen warten zu müssen.

Unsere Geduld wurde aber beim darauffolgenden Versuch etwas zum Mittag zu essen auf eine harte Probe gestellt. Denn wir wurden schlichtweg vergessen. Nachdem die Bestellung aufgegeben wurde, verschwand der Auftrag im Nirvana da keine Papierrolle mehr im Bondrucker war. Und so gabs statt Tortellini 3 ordentliche Portionen Bier. Nach dem Kuss der grünen Fee zuvor, war das eine ganze Menge zu tun für die Leber. Die Tortellini waren trotz essen mit Wut sehr gut.

Das erste kulturelle Highlight des Tages sollte in der Villa eine lyrische Lesung von Chris Goellnitz und Philippe Blömeke sein. Ersterer ist vor allem mit seinem Musikprojekt The Beautiful Disease ein echter Geheimtipp. So war die Lesung voller Wortgewalt und abstrakter Dialoge wirklich ein echter Leckerbissen für das von Medienmüll geplagte Hirn. Die Tatsache dass ich dort ein paar Photos machen konnte und mein Weibchen ein signiertes Exemplar der Lyriksammlung Traumfleisch erstehen konnte, hat die ganze Sache noch abegerundet. Ein paar Bilder werde ich noch nachreichen da sie noch unbearbeitet auf der Platte liegen. Und die Lichtverhältnisse im Villakeller waren wirklich mehr als bescheiden.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Pensionszimmer ging es dann zu einem Minitreffen mit Photofreunden (an dieser Stelle grüße ich das Rattchen, die Sammellinse und die Sany ganz herzlich) im heidnischen Dorf, wo es ein glas Rhabarber-Federweißer auf der Wiese gab, war der Kohlrabizirkus die nächste Station. Nur für ein Bier und ein wirklich schönes Konzert von Colony 5. Die Akustik in der riesigen Eishalle ist natürlich beschissen aber die beiden Schweden konnten einiges an Sympathien für sich gewinnen. Natürlich auch mit meinen Lieblingssongs My World und Black. Für die Rückkehr in die Agra zu Diary of Dreams blieb dann auch nicht mehr viel Zeit. Aber rechtzeitig zum Soundcheck standen wir in der erwartungsfrohen Menge und konnten ein wirklich schönes, solides und mit einer fetzigen Lasershow untermaltes Konzert vom Feinsten erfreuen. Die Jubilare des Abends waren allerdings Lacrimosa, welche die schwarze Szene nun seit 20 Jahren begleitet. Ich gestehe allerdings dass ichs mir nur der alten Zeiten wegen angesehen/angehört habe. Denn ich bin Lacrimosa sowohl textlich als auch inhaltlich und musikalisch entwachsen. Aber eine gewisse Nostalgie bei Stolzes Herz und Satura war schon zu spüren. Die Zugaben haben wir uns dann aber zugunsten von 80er Jahre Synthiepop in der Discohalle Agra 4.2 kredenzt von DJ Oswald Henke geschenkt. 6 Lieder lang abgetanzt bis die Füße rauchten und dann noch einmal kurz zurück in die Haupthalle (was jedes Mal ein riesiger Weg ist da man jeweils nur an gegenüberliegenden Enden der Halle rein bzw. raus kommt. Und die Halle ist sehr lang) um eine Bildungslücke bei Alien Sex Fiend zu schließen. Nicht nur wie sie ausgesprochen werden (ist vollkommen egal, Anm. d. Red.) sondern auch was es überhaupt für Musik ist. Sie ist passend zur knallbunt Voodoohöhlenartigen Bühnendeko die durchaus zu gefallen wußte. Da es bereits schon weit nach 2 Uhr früh war (bzw. ist), beschlossen wir dann wegen schmerzender Füße und Biertrunkener Birne den Heimweg anzutreten. In 4h und 30 Minuten gibt es auch schon wieder Frühstück.

Update 1:




WGT Tagebuch Tag 2

Es ist 10.00 Uhr, das Frühstück war prima und die Sonne scheint als hätte sie Van Gogh gemalt. Einfach so wie es sein sollte. Der heutige Tag ist wie geschaffen zum flanieren. In die Stadt gehen, Geschäfte durchstöbern und wieder viel zu viel unnötiges Zeug ausgeben. Aber bevor es die Inflation auffrisst 😀 Die Agra-Messe wartet sicher wieder mit viel schwarz-buntem Schnullibums auf und ich muß mich zurückhalten nicht wieder Unsummen in Scheibenförmiges Vinyl zu investieren.

Jetzt werden ersteinmal die nötigsten Körperpflegeroutinen durchlaufen und dann geht es auch schon los in die City. Freunde treffen, Bier trinken und das Leben genießen. Auf schwarze Art 😀

Die Konzertfrage heute steht allerdings noch offen. Möglicherweise Electrogestampfe in der Agra. Aber in jedem Fall die Filmvorführung Osferatu, Oswald Henkes zweiter Streifen nach dem genialen Psychopic Debilitas.

Update 1:

Die inzwischen unzähligen Kameras auf dem WGT, sowohl aus eigenen Reihen als auch schaulustig interessiertes „Buntvolk“, nerven schon ein kleines bißchen. War es vor einigen Jahren noch überschaubar, so hat grobgeschätzt jeder Zweite eine mehr oder minder fette DSLR in der Hand. Klar, die zahlreichen wunderschön gestalteten Kostüme laden wirklich dazu ein. Aber ich stelle fest dass viel vor allem auf knapp bekleidete Ärsche fokusieren. Ok, man mag jetzt meinen die „Opfer“ legen es darauf an, aber ein bissel peinlich ist es schon (SCNR). Genug gelästert, ich hatte Mr. Nikon heute bei mir aber nur ein paar Übersichten auf der Moritzbastei geschossen.

Update 2:

Es kommt ein wenig verspätet aber der Vollständigkeit halber soll noch zusammenfassend der Rest des 2 Tages dargelegt werden.

Das Hinhasten zum Cinestar und anschließendes langes Anstehen am Kino 3 haben sich gelohnt. Osferatu, seines Zeichens „27 Millionen Dollar Produktion“ (O-Ton: Oswald Henke), war ein 25 minütiges Trashmeisterwerk in Kooperation mit Rotten-Art. Gruselige Qualität aber keinesfalls enttäuschend.

Nach dem Kino wurde die Agra-Messe gestürmt und bis auf eine interessante Bondagevorführung vor dem Schlagzeilenstand war der selbe Krempel wie jedes Jahr zu finden. Deshalb fand sich selbst nach 2h schoppen nur eine einzige CD in meiner Tasche ein. Und zwar Odyssey Europa von Kirlian Camera, die wir ja gestern erst belauschen durften. Danach reichte unsere Ausdauer lediglich noch für ein Stückchen Oldschool EBM des Urgesteins Læther Strip. Der gute Mann konnte der ordentlichen gefüllten Agrahalle lediglich mit Keyboard und seinem krächzenden Organ ORDENTLICH einheizen. Ganz bis zum Schluß haben wir es dann aber doch nicht durchgezogen und sind kurz vor 12 wieder im Zimmer gewesen.

19. Wave-Gotik-Treffen #1

Meine Postingfrequenz läßt sich mittlerweile mit sehr kleinen Zahlen quantifizieren aber ab heute wird sich dies zumindest für ein paar Tage ändern. Ja, es gibt einen ausreichenden Grund und vor allem auch wieder die nötige Zeit. Das längere Pfingstwochenende zieht meine bessere Hälfte und meine finstere Wenigkeit auch dieses Jahr wieder in Zentrum der sinistren Kultur – nach Leipzig.

Nur noch ein paar Stunden und wir beziehen endlich unser Hauptquartier. 3 Straßenbahnhaltestellen entfernt von der Agra, dem Hauptveranstaltungsort des 19. WGT. Danach wird erstmal das Routineprogramm von Auspacken, Bändchen abholen und mit Freunden treffen abgearbeitet bevor es um 17.30 mit dem ersten Konzert von The Pussybats im Werk II mit dem musikalischen Teil des Festivals losgeht. Weiter geht es dann beinahe rollend mit Zeromancer, Samsas Traum und gen Mitternacht mit Kirlian Camera. Das dürfte für unser Stehvermögen für den Anfang schon ganz  schön ausreizen. Immerhin bin ich keine 16 mehr. Abgesehen davon spielt mit fortschreitendem Alter vor allem die soziale Komponente dieses Treffens eine entscheidendere Rolle. Freunde  aus vielen Jahren gemeinsamer Unternehmungen, aber auch neue Leute kennenlerne ist durchaus spannend.

Ich werde hier jeden Tag mindestens einmal, besser aber zweimal Bericht erstatten was das schwarze Highlight des Jahres für besondere Eindrücke bereit hält. Nicht mehr, nicht weniger. Photos von den Konzerten gibt es auch dieses Jahr lediglich, wenn überhaupt, in Handyqualität. Der Akkreditierungsprozess wurde natürlich in diesem Jahr gleichbleibend scharf gehandhabt. Auf der Flaniermeile und in der Stadt kann ich aber bedenkenlos die „Dicke“ Kamera mitnehmen. Wobei das ja inzwischen schon fast zu einer Manie geworden ist.

Ich werde natürlich auch das eine oder andere Update via @flati twittern. Ihr seid herzlich eingeladen mir zu folgen!

UPDATE 1:

Wir sind angekommen (ca 15:50) – aber fragt nicht nach Sonnenschein. Murphy hat offenbar was gegen Gruftis denn ausgerechnet heute Nacht wollte irgendein Marder ausprobieren wie gut oder schlecht die Kühlwasserschläuche im Dacia Sandero schmecken. Offenbar wars nicht so doll denn er hat es beim perforieren der Leitung belassen. Natürlich hat am Freitag vor Pfingsten keinen Werkstatt Ersatz. Somit haben wir mit ca. 3h Verspätung das ganze Zeug in mein Eisenschwein (Lada Samara Baltic BJ ’97) geladen und dann weiter 3h im Auto verbracht. mindestens 1.5 davon sinnlos im Stau. Aber egal, auch das blutige Massaker an der Hand meines Mädels konnte uns noch nicht die Laune verderben. Jetzt heißt es ersteinmal Bändchen holen. Es wurde schon berichtet dass das Farbschema stark an Woodstock erinnert. Wir werden sehen. Ob die Zeit dann noch für die Pussybats reicht, werden wir sehen. Ersteinmal ein Bier trinken. Prost!

Update 2:

Es ist kurz nach 0.00 und der erste WGT Tag ist für uns zuende. Mit dem Alter läßt man es eben gediegener angehen. So wurde auch nicht der komplette Plan heute abgearbeitet sondern auf Samsas Traum und Kirlian Camera. Alex Kaschte von ST spielte im grünen T-Shirt vor einer gut gelaunten Menge souverän einen guten Querschnitt durch sein Schaffen und hatte neben Hohn und Spott für Marburger Studentinnen der Kunstgeschichte, Pädagogik und Soziologie auch Lob für seine treue Fanbase zu verkünden (ich erwähne es weil das tatsächlich sehr selten vorkommt). Jedenfalls gabs wieder alles zu hören was man als alter Fan hören wollte. Die obligatorischen Klassiker wie Stromausfall im Herzspital und der Weena Morloch Klassiker Kugel im Gesicht. Letzteres wurde wie immer eingeleitet mit unisono Gesang „Ohne Kugel gehen wir nicht ins Bett!“

Danach war ersteinmal chillen im Shisha Zelt vor dem Konzerthalleneingang angesagt. Zusammen mit reichlich Met, Bier und Gänseblümchentee (nein, es ist kein anderes Wort für Dope). Eine gute Vorbereitung auf die unglaubliche Stimme der Kirlian Camera Sängerin Elena Fossi. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen bekomme ich noch Gänsehaut davon. Wow. Neben meinen Lieblingssongs Dead Zone in the Sky, K-Pax und dem ewigen Clubhit Eclipse gab es nicht ein einziges Lied wo man nicht zumindest ordentlich mitwippen mußte.

Nun beende ich diesen Blogeintrag und genieße noch ein Bierchen (Lübzer Urkraft) und Cracker zusammen mit meinem Käferweibchen.

Morgen geht es dann weiter!

Elena Fossi